Alzheimer muss kein Schicksal sein - die Minimierung individueller Risikofaktoren kann helfen, der Krankheit davonzulaufen.

Programm zur personalisierten Vorbeugung der Alzheimer Demenz – wir bewegen was!

Anfang 2022 startet die Alzheimer Gesellschaft Rheinland-Pfalz zusammen mit dem ISPG Mannheim eine Studie mit Personen, die ein erhöhtes Risiko haben, an Alzheimer Demenz zu erkranken. Die Teilnehmer werden zwei Jahre lang ein individuelles Programm durchlaufen, um ihre individuellen Risikofaktoren zu minimieren und einen gesünderen Lebensstil anzunehmen.

Die Zahl der Demenzerkankungen steigt rasant – jetzt aktiv werden!

Bei Alzheimer Demenz geht nicht nur das Gedächtnis verloren, sondern auch die Orientierung, die Sprache, das Verstehen, Planen und Lernen, die Alltagsfertigkeiten. Mit dem Fortschreiten der Erkrankung werden Betroffene immer hilfloser und sind schließlich vollständig auf Betreuung und Pflege angewiesen.

In Deutschland leben ca. 1,8 Millionen Menschen mit einer Demenz und es werden immer mehr.

Trotz intensiver Forschung gibt es bislang noch kein Heilmittel gegen die Alzheimer Demenz. Andererseits sind viele Risikofaktoren für die Alzheimer Krankheit bekannt und fast 40% der Erkrankungen könnten durch eine gesunde Lebensweise vermieden werden. Aus diesem Grund sind wir überzeugt, dass Vorbeugung die beste Option ist um „der Krankheit davonzulaufen“.

Die Studie am ISPG Mannheim: Motivation

Das Institut für Studien zur psychischen Gesundheit (ISPG) in Mannheim unter der Leitung von Prof. Dr. Georg Adler untersucht bereits seit vielen Jahren im Rahmen des Demenzvorsorgeprojekts den Zusammenhang zwischen der Anzahl individueller Risikofaktoren und der geistigen Leistungsfähigkeit von teilnehmenden Personen. Aufgrund dieser Untersuchungen konnten die Wissenschaftler eindeutige Zusammenhänge finden, die viel Hoffnung machen, durch Prävention eine Alzheimer Demenz verhindern oder zumindest lange hinausschieben zu können.

Hiervon sollen die Studienteilnehmer profitieren: Mit der Studie knüpfen wir an diesen am ISPG gewonnenen Erkenntnissen an. Menschen mit einem erhöhten Risiko für die Alzheimer Demenz werden in einem zweijährigen Programm an einen gesünderen Lebensstil herangeführt. Hierdurch werden viele individuelle Krankheitsschicksale verhütet oder zumindest gemildert.

Alzheimer Gesellschaft Rheinland-Pfalz: unser Engagement und Commitment

Solange es kein Heilmittel gibt, kommen der Früherkennung und Vorbeugung der Alzheimer Demenz eine besondere Bedeutung zu. Wir möchten, dass möglichst vielen Menschen dieses Krankheitsschicksal erspart bleibt. Die Aufklärung der Bevölkerung über die Risikofaktoren ebenso wie die Möglichkeit der Früherkennung erster Gedächtnisstörungen gehören zu unseren wichtigsten Aufgaben. Deshalb übernimmt die Alzheimer Gesellschaft Rheinland-Pfalz die Kosten gesetzlich Versicherter aus der Region (ab 50 J.) für eine Teilnahme an dem Früherkennungs- und Gedächtnisvorsorgeprogramm KogifitPlus am ISPG Mannheim.

Auch für das Programm zur personalisierten Vorbeugung der Alzheimer Demenz wollen wir möglichst vielen Menschen mit ersten Gedächtnisstörungen oder einem erhöhten Risiko für die Alzheimer Krankheit eine kostenfreie Teilnahme ermöglichen.

Hierfür sind wir auf Spenden angewiesen – helfen Sie mit:

Erfahren Sie über unsere Betterplace-Seite mehr darüber, wie es den Teilnehmern unseres Programms zur Vorbeugung einer Alzheimer Demenz ergeht. Wir werden auf diesem Portal regelmäßig über die Fortschritte berichten. Lesen Sie ihre Motivations– und Erfolgsgeschichten auf Betterplace – und bitte unterstützen Sie unser Projekt mit einer Spende!

Lassen Sie sich motivieren, ebenfalls aktiv etwas für Ihre Gesundheit zu tun und lassen Sie uns und andere Leser daran teilhaben. Wir freuen uns auf Ihre inspirierenden Motivationsgeschichten, bitte senden Sie diese an:
claudia.krack@alzheimer-gesellschaft-rhpf.de 

Übrigens: Durch eine gesunde Lebensweise kann man nicht nur sein Demenzrisiko deutlich senken, sondern auch die Risiken für weitere Erkrankungen wie Bluthochdruck oder Diabetes!

Studienteilnehmer gesucht

Für die Studie zur Vorbeugung der Alzheimer Demenz werden Personen zwischen 60 und 75 Jahren gesucht, die ein erhöhtes Risiko für die Alzheimer Demenz haben und noch keine oder nur leichte Einschränkungen der geistigen Leistungsfähigkeit aufweisen.

Die Suche nach geeigneten Teilnehmern erfolgt über das Gedächtnisvorsorgeprogramm am ISPG.

Wie läuft die Studie zur Vorbeugung einer Alzheimer Demenz ab?

Vor Studienbeginn werden zunächst am ISPG Mannheim eine Reihe von Voruntersuchungen durchgeführt:

  • Erhebung von körperlichen Vorerkrankungen
  • Blutuntersuchung (ApoE-e4, LDL-Cholesterin, Homocystein, HbA1c, Vitamin D, Homocystein)
  • Medikation
  • Familienanamnese
  • Erhebung beeinflussbarer Risikofaktoren (Übergewicht/ Adipositas, Bluthochdruck, Diabetes, Hypercholesterinämie, Hyperhomozysteinämie, Rauchen, Alkohol, Fitness, Schlafstörungen, Ernährungsgewohnheiten, Vitamin D Status)
  • Erhebung des aktuellen Gedächtniszustands durch Tests (Checkliste für kognitive Blackouts, Clinical Dementia Rating, Mini Mental State Examination (MMSE/SIDAM), Merkfähigkeits- und Aufmerksamkeitstest (MAT), Repeatable Battery for the Assessment of Neuropsychological Status (RBANS))

Während der zweijährigen Studie folgen weitere Untersuchungen (z.B. der Schlafqualität) und Behandlungen (z.B. Vitamin D-Mangel) sowie eine individuelle Beratung zu den bestehenden Risikofaktoren. Im Anschluss werden gezielte und personalisierte Maßnahmen zur Beeinflussung der Risikofaktoren empfohlen. Dabei ist es wichtig, dass z.B. das Fitnessprogramm an die körperlichen Möglichkeiten des Teilnehmers angepasst wird. Neben den Empfehlungen zur körperlichen Aktivierung und Ernährungsumstellung erhalten die Teilnehmer auch eine Anleitung zum Gedächtnistraining für zu Hause. Alle Maßnahmen werden von den Teilnehmern genau protokolliert.  

Die Teilnehmer werden bei der Umstellung der Lebensgewohnheiten intensiv begleitet:

Alle 6 Wochen werden durch Beratungsgespräche die Erfolge der Maßnahmen und das persönliche Wohlbefinden besprochen sowie Vitalparameter wie Blutdruck, Blutwerte, Körpergewicht, körperliche Fitness bestimmt. Zusätzlich erfolgt nach 6 Monaten auch ein Gedächtnistest.

Die Motivation der Teilnehmer

Die Teilnehmer erfahren nach den Voruntersuchungen, ob sie ApoE-e4-Träger (genetischer Risikofaktor) sind. Das Vorhandensein des E4-Allels ist mit einem zwei- bis dreifach erhöhten Risiko für die Alzheimer Demenz verbunden. Etwa 25% der Bevölkerung sind Träger des e4-Allels.

Dieses Wissen ist mit der Sorge verbunden, selbst an Alzheimer Demenz erkranken zu können. Die Aufnahme in das Studienprogramm wird in diesem Fall mit Erleichterung und großer Motivation honoriert, aktiv etwas zur Senkung des persönlichen Risikos beitragen zu können.

Bei Teilnehmern, die bereits erste Einbußen der geistigen Leistungsfähigkeit bei sich selbst wahrnehmen und deshalb zur Gedächtnisvorsorge gekommen sind, ist die Angst vor einer Alzheimer Demenz besonders präsent. Hier steht die Frage „Kann ich das noch aufhalten?“ im Raum und die Motivation zur Teilnahme an der Studie ist sehr hoch.

Dinge verändern und durchhalten – wie kann man das schaffen?

Mit dem Rauchen aufhören, Gewicht abnehmen und dauerhaft halten, sich gesünder ernähren, sportlich aktiver werden… Viele haben diese Wünsche und schieben die Realisierung doch immer wieder vor sich her. Die Teilnehmer der Studie zur Vorbeugung der Alzheimer Demenz werden ebenfalls viele (geliebte aber ungesunde) Lebensgewohnheiten aufgeben und durch einen gesünderen Lebensstil ersetzten. Um dies durchzuhalten, werden sie von erfahrenen Psychologen begleitet und gecoacht. Um ihre Ziele zu erreichen lernen die Teilnehmer z.B. die SMART-Methode, d.h. die Ziele sollen spezifisch, messbar, attraktiv, realistisch und terminiert sein.  

Was hindert SIE daran, etwas an Ihrem Lebensstil zu verändern? Oder haben Sie vielleicht schon ein Ziel erreicht, haben mit dem Rauchen aufgehört oder machen jetzt regelmäßig Sport? Wie haben Sie das geschafft? Und wie geht es Ihnen mit diesem neuen Lebensgefühl?
Schreiben Sie uns Ihre Erfahrungen, helfen Sie anderen,  auch den Anfang hin zu einem gesünderen Leben zu machen, zu motivieren und durchzuhalten. 

Wir freuen uns auf Ihre inspirierenden Motivationsgeschichten, bitte senden Sie diese an:      claudia.krack@alzheimer-gesellschaft-rhpf.de

Motivationsgeschichten

Frau Langer, Januar 2023

Frau Langer nimmt seit 2022 an dem Programm zur personalisierten Vorbeugung der Alzheimer Demenz am ISPG teil. Ihre Teilnahme wurde durch Spenden an die Alzheimer Gesellschaft Rheinland-Pfalz e.V. ermöglicht.

Frau Langer (61): Meine Mutter war an Alzheimer Demenz erkrankt. Da kam die Sorge auf, ebenfalls daran zu erkranken. Bei mir selbst beobachtete ich eine zunehmende Vergesslichkeit und Unkonzentriertheit, z.B. zwangen mich häufig Gedanken wie „Habe ich den Herd wirklich ausgeschaltet?“ zur Umkehr ins Haus. Meine Neurologin empfahl mir, mich am ISPG Mannheim vorzustellen. Dort wurde zwar ein altersgerechtes Gedächtnis festgestellt, aber es wurden Risikofaktoren gefunden, neben Übergewicht auch das ApoE-e4-Risikogen für die Alzheimer Demenz. Dass ich an dem Programm zur Vorbeugung am ISPG teilnehmen kann, finde ich großartig. Es gibt mir die Chance, dass die Erkrankung weit hinausgezögert wird oder erst gar nicht auftritt.

Am Anfang waren die Aufgaben, die ich regelmäßig zu Hause durchführen sollte, eine „Katastrophe“: für das Gedächtnistraining soll ich mehrmals in der Woche eine Kurzgeschichte aus dem Arbeitsbuch über unterschiedliche Themen (z.B. über Städte, Pflanzen, Tiere, Staatsrat der DDR etc.) lesen. Dann wird zur Ablenkung ein Sudoku gelöst. Danach müssen Fragen zur Kurzgeschichte beantwortet und notiert werden. Die Konzentration auf die Geschichte ist mir sehr schwergefallen und das Lösen vom Sudoku war eine echte Herausforderung für mich. Aber ich habe mich „reingekniet“ damit es besser wird, ich wollte das unbedingt schaffen!  Jetzt merke ich tatsächlich einen Trainingseffekt, ich kann mich viel besser auf die Geschichten konzentrieren und auch die Sudokus klappen besser!

Durch ein angepasstes Sportprogramm und eine Ernährungsumstellung hatte ich auch erste Erfolge und habe einige Kilo abgenommen. Ein Unfall mit einem komplizierten Schienbeinbruch (Tibiakopffraktur) am 04.11.2022 hat mich aber sehr zurückgeworfen. 

Ich sitze seitdem im Rollstuhl und bin jetzt in der Reha. Es ist sehr schwer abzunehmen, wenn man sich kaum bewegen kann! Ich lasse eine Mahlzeit am Tag weg, aber zum Abnehmen reicht dies nicht. Dabei wäre es sehr wichtig, denn bald werde ich mein Bein wieder etwas belasten können und dann müssen meine Knie auch mein Körpergewicht tragen. Wieder eine Herausforderung! Zum Glück lasse ich mich nicht so schnell unterkriegen. Wenn ich mich in der Reha umschaue, sehe ich so viele Menschen, denen es noch viel schlechter geht als mir. Daraus schöpfe ich Kraft, um nach vorne zu schauen. Die Vorfreude darauf, bald wieder mehr trainieren zu können, ist sehr groß. Dann geht es endlich wieder voran!

Das Coaching durch das ISPG ist unglaublich wichtig, ohne Begleitung wäre es deutlich schwieriger, das Programm durchzuhalten, denn die Aufgaben sind sehr anstrengend.

Aber ich merke, dass sich etwas zum Positiven verändert und ich bin sehr stolz über diesen Fortschritt, den ich mir mühsam erarbeitet habe. Das ist unglaublich motivierend! Ich kann andere Betroffene nur ermutigen, früh genug anzufangen, sich immer wieder zu „erweitern“, also immer wieder auch Neues zu erlernen und auszuprobieren: Tanzen, Sudoku, Kurzgeschichten – die Vielfalt ist wichtig für das Gehirn, einseitiges Training ist nicht so wirksam.

Herr Jürgen Transfeld, Januar 2022

Es gab mehrere Schlüsselerlebnisse, die mich zu einem Überdenken meiner Lebensweise veranlasst haben: meine Mutter hatte eine Alzheimer Demenz und deshalb habe ich eine gewisse Sorge auch daran zu erkranken. Ich habe den Eindruck, vergesslicher geworden zu sein, es passieren einfach mehr kleine Fehler im Alltag. Auch wiederholte Gichtanfälle haben mich gequält und nach einem Muskelfaserriss im Juli 2021 mit mehreren Wochen Liegezeit kam noch eine Gewichtszunahme hinzu. Ich fühlte mich schlapp und kraftlos. Durch einen Freund bin ich erstmals darauf aufmerksam gemacht worden, dass die Krankheitsbilder mit meiner Ernährung zusammenhängen könnten. Daraufhin habe ich mich weiter erkundigt und Gespräche mit meinem Hausarzt und in der Gedächtnissprechstunde mit Prof. Dr. Adler geführt. Dabei habe ich erfahren, dass viele Menschen sich der Konsequenzen einer ungesunden Lebensweise gar nicht bewusst sind, dass Bier „Gift“ bei Gicht ist und Zucker nicht nur das Diabetes- sondern auch das Alzheimer-Risiko erhöht. Deshalb habe ich meine Ernährung umgestellt: ich trinke nur noch selten Bier, esse mehr Gemüse, achte auf meinen Zuckerkonsum und esse nur wenig rotes Fleisch. 6 Kilo habe ich bereits abgenommen. Ich bin auch der Meinung, dass man etwas mehr Selbstverantwortung übernehmen sollte: einfach weiter ungesund leben und bei (Gicht-)Schmerzen eine Pille nehmen ist für mich keine Lösung! Von den alten Gewohnheiten wegzukommen ist schwierig, aber ich fühle mich jetzt leichter und fitter. Wegen Corona gehe ich auch noch nicht so oft ins Fitnesscenter oder in die Sauna wie ich es gerne machen würde. Mein größter Motivator ist die Sorge, an Alzheimer Demenz zu erkranken, das hilft mir beim Durchhalten. Aber die Versuchung ist schon manchmal groß! Ab und an muss man sich auch einmal bewusst etwas gönnen, danach sage ich mir: „Das war mal wieder was!“

PRÄVENTION UND ERNÄHRUNGS-FALLEN „Demenz ist eine Erkrankung, die sich sehr gut zur Prävention eignet, denn es gibt einen jahrzehntelangen Vorlauf und es sind Risikofaktoren bekannt. Dazu gehört ein erhöhter Blutzucker “, erläutert Prof. Georg Adler, ISPG Mannheim. Doch es gibt Ernährungs-Fallen wie Professor Adler in der Beratung von Herrn Transfeld zeigt: „Ein Frühstück, etwa ein Müsli, in das Sie eine Banane reinschneiden, hat hinsichtlich des Nährstoffgehalts die Eigenschaften von Vanilleeis mit Sahne“.  Allgemein gilt: Eine so genannte „mediterrane Diät“ mit viel Gemüse und dabei wenig Kohlenhydraten könnte sich langfristig positiv auf die Vermeidung von Demenzen auswirken.