"Der offenen Umgang mit der Krankheit erleichtert das Leben enorm."

Menschen mit Demenz kommen zu Wort

Demenz verstehen

In Deutschland sind rund 10% der über 65-jährigen von einer Demenz betroffen und jedes Jahr kommen mehr als 300.000 Neuerkrankungen dazu. Trotzdem ist Demenz immer noch ein Tabu-Thema und daran erkrankte Menschen werden von der Gesellschaft nach wie vor stigmatisiert und ausgegrenzt.

Im September 2019 wurden die Ergebnisse der weltweit größten Demenz-Studie, durchgeführt von Alzheimer´s Disease International (ADI) unter dem Motto „Let´s talk about Dementia“, veröffentlicht. Befragt wurden über 70.000 Menschen aus 155 Ländern. Die Ergebnisse decken große Wissenslücken über Demenzerkrankungen in der Bevölkerung auf, so glauben zwei von drei Menschen immer noch, dass Demenz ein normaler Teil des Alterns ist. Mangelndes Wissen führt zu negativen Stereotypen gegenüber an Demenz erkrankten Menschen und das damit verbundene Stigma führt dazu, dass Betroffene sich aus Scham oftmals nicht adäquate Informationen, Hilfe und Unterstützung suchen.  

Diese Ergebnisse zeigen, dass weiterhin ein dringender Bedarf an mehr Aufklärung und Verständnis für die Erkrankung in der Öffentlichkeit besteht. Wenn sich etwas an der Situation verändern soll, dann muss unsere Gesellschaft mutiger werden im Umgang mit Demenz, sie muss bereit sein, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Nur auf diese Weise können Ängste und Unsicherheiten abgebaut werden. Initiativen wie „Demenz Partner“ und „Konfetti im Kopf“ sind wunderbare Ansätze, die gar nicht genug Unterstützung erfahren können.

Ein offener Umgang mit der Erkrankung erleichtert das Leben enorm – in diesem Beitrag sollen Menschen mit Demenz die Möglichkeit bekommen, ihre Situation in der Gesellschaft zu beschreiben:

  • Wie kommen sie im Alltag zurecht und welche Veränderungen in der Gesellschaft wären notwendig, um ihnen den Alltag zu erleichtern?
  • Wie empfinden sie ihre Umgebung, welche Ängste, Wünsche und Bedürfnisse haben sie?
  • Welche Botschaften an die Gesellschaft sind wichtig um ein besseres Miteinander zu erwirken?

Beim Lesen dieser Beiträge wird schnell klar: Menschen mit Demenz haben die gleichen Bedürfnisse, Wünsche und Ängste wie jedermann und es ist kein Mitleid, was sie von der Gesellschaft erwarten sondern eine respekt- und verständnisvolle Begegnung auf Augenhöhe.

Und diese Erkenntnis soll zu einer Brücke der Verständigung werden zwischen Menschen mit und ohne Demenz und soll dazu beitragen, der Alzheimer-Krankheit ein anderes Gesicht zu geben. Erzählen Sie uns Ihre Geschichte. Dies kann helfen, die Ansichten über Alzheimer und andere Demenzerkrankungen zu verändern.

Wir freuen uns über weitere Beiträge, schreiben Sie uns z.B. eine E-Mail oder wir machen einen Termin für ein Interview aus:

claudia.krack@alzheimer-gesellschaft-rhpf.de

 

Februar 2020, Frau B. im Gespräch mit Monika Bechtel:

Mein Name ist B….., ich leide an der Alzheimer Krankheit, diagnostiziert 2014…

Das Leben läuft mir weg, wie mein Gedächtnis.

Ich sitze hier und weiß jetzt schon nicht mehr, wo ich nachher in mein Zimmer komme.

Oder wo sich die Toilette befindet.

Ich würde mich am liebsten „wegschaffen“. Wenn ich wüsste wie…

Vielleicht mich ersäufen, aber da sagte früher meine Mutter schon, sei vorsichtig, wenn du ins Wasser gehst, das ist nass.

Meine Tochter ist abgerutscht, hab keinen Kontakt mehr zu ihr.

Mein Sohn auf den Philippinen und mein Mann ist Lungenkrank.

Ich bin allein, fühl mich hilflos ….

Ist mein Sohn noch hier und ich glaub mein Mann ist schon tot, deshalb bin ich doch hier, oder?

Nein, keine Angst, Alzheimer ist nicht ansteckend, aber Sterben muss man auch…

Jede Familie hat ihre Geschichte.