Hallo und herzlich willkommen im Forum!
Eine Demenz geht mit vielen Veränderungen einher und betrifft immer die ganze Familie. Deshalb finde ich es großartig, dass Ihre Tochter mit Familie Sie und Ihre Ehefrau begleiten und unterstützen möchten.
Eine Demenz führt bei den Erkrankten zu einer veränderten Wahrnehmung und daraus resultieren Unsicherheit, Fremdheitsgefühl und Orientierungsverlust. Das macht es besonders schwer für die Erkrankten, von dem vertrauten Heim loszulassen und sich auf etwas Neues einzulassen.
Wir hatten eine ähnliche Situation, als wir zusammen mit meiner Schwiegermutter mit Demenz den Schritt gewagt haben, zu uns in die Nähe zu ziehen. Da stand ganz viel Angst und Unsicherheit im Raum! Wir haben ihr gesagt, dass sie in alle Entscheidungen eingebunden wird und wir alles nach ihren Wünschen organisieren, so dass sie sich um nichts kümmern muss. Das hat ihr viel Sicherheit gegeben, zumal sie gerne in unserer Nähe sein wollte und die Schwiegermutter auch beim Packen der Kisten dabei war. Sie hatte also das Gefühl der Selbstbestimmung (was soll mit und was kann weg).
Es ist wichtig, die Ängste ernst zu nehmen und nicht kleinzureden. Ein gut gemeintes „Du brauchst doch keine Angst zu haben!“ wird ihrer Ehefrau nicht helfen. Besser ist ein Aufgreifen der Gefühle wie z.B. "Ich sehe, dass dir dieser Gedanke große Angst macht. Das verstehe ich. Ich bleibe bei dir und wir gehen das gemeinsam an." Auf diese Wiese fühlt sich Ihre Frau mit ihren Sorgen gesehen und verstanden. Auch kann es hilfreich sein, das Wort „Umzug“ nicht zu oft zu verwenden, da es die Angst wieder befeuert. Ein „Dann können wir die Kinder und Enkel viel öfter sehen" kann hingegen die schöne Seite betonen und Freude auslösen.
Nach dem Umzug wird es wichtig sein, gemeinsam die neue Umgebung zu erkunden, um möglichst viel Orientierung in der fremden Umgebung zu vermitteln. Das Erkunden sollte in „kleinen Schritten“ erfolgen. Menschen mit Demenz können durch zu viele neue Eindrücke schnell überfordert werden. Kleine Spaziergänge, immer dieselben Wege und wiederkehrende Rituale vermitteln meist mehr Sicherheit als ein umfangreiches "Kennenlernen" der neuen Umgebung. Bei der Einrichtung der neuen Wohnung kann man darauf achten, vertraute „Ankerpunkte“ zu schaffen (z.B. Lieblingsplätze wie in der alten Wohnung, ähnliche Möbelanordnung etc).
Den Umzug selbst haben wir unserer Schwiegermutter erspart, da dieser Tag emotional und fordernd ist. Wir haben sie am Tag vorher zu uns geholt und es ihr schön gemacht. Erst zum Einrichten in der neuen Wohnung (nachdem alle Schränke etc aufgebaut waren) war sie wieder dabei, damit sie mitbestimmen konnte, was wo eingeräumt wird. Das ist wichtig, um die Orientierung zu bestärken.
Für Menschen mit Demenz ist meist nicht der Ort das eigentliche Zuhause, sondern der Mensch, der ihnen Sicherheit gibt. Solange Ihre Frau Sie als ihren wichtigsten Orientierungspunkt erlebt, können Sie ihr helfen, sich auch an einem neuen Ort wieder sicher zu fühlen. Sie sind in gewisser Weise ihr "Zuhause".
Der Umzug erfordert Mut und er wird noch viele emotionale Momente mit sich bringen. Vielleicht hilft Ihnen der Gedanke, dass Sie diesen Schritt nicht gegen Ihre Frau gehen, sondern für Sie beide. Sie tragen bereits jetzt eine große Verantwortung. Wenn künftig Ihre Tochter und weitere Familienmitglieder mittragen können, gewinnen nicht nur Sie Entlastung. Auch Ihre Frau profitiert davon, weil mehrere vertraute Menschen für sie da sein können und Sie dadurch Kraft behalten, ihr weiterhin ein liebevoller Begleiter zu sein.
Herzliche Grüße und alles Gute
Claudia Krack
Alzheimer Gesellschaft Rheinland-Pfalz e.V.