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Umzug

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Beiträge: 5
Themenstarter
(@andrea)
Beigetreten: Vor 2 Monaten
[#121]

Hallo zusammen, ich möchte mit meiner an Alzheimer Demenz erkrankten Frau nach Hamburg zu der Familie meiner Tochter ziehen. Sie ist diesbezüglich sehr panisch und hat Angst, sich nicht zurecht zu finden. Kann mir ein Rat gegeben werden, was ich machen kann, um es ihr zu erleichtern?

Ich sag schon mal danke und hoffe auf rege Beteiligung 🙂 


7 Antworten
Beiträge: 62
Admin
(@admin)
Beigetreten: Vor 7 Jahren

Hallo und herzlich willkommen im Forum!

Eine Demenz geht mit vielen Veränderungen einher und betrifft immer die ganze Familie. Deshalb finde ich es großartig, dass Ihre Tochter mit Familie Sie und Ihre Ehefrau begleiten und unterstützen möchten.

Eine Demenz führt bei den Erkrankten zu einer veränderten Wahrnehmung und daraus resultieren Unsicherheit, Fremdheitsgefühl und Orientierungsverlust. Das macht es besonders schwer für die Erkrankten, von dem vertrauten Heim loszulassen und sich auf etwas Neues einzulassen.

Wir hatten eine ähnliche Situation, als wir zusammen mit meiner Schwiegermutter mit Demenz den Schritt gewagt haben, zu uns in die Nähe zu ziehen. Da stand ganz viel Angst und Unsicherheit im Raum! Wir haben ihr gesagt, dass sie in alle Entscheidungen eingebunden wird und wir alles nach ihren Wünschen organisieren, so dass sie sich um nichts kümmern muss. Das hat ihr viel Sicherheit gegeben, zumal sie gerne in unserer Nähe sein wollte und die Schwiegermutter auch beim Packen der Kisten dabei war. Sie hatte also das Gefühl der Selbstbestimmung (was soll mit und was kann weg).

Es ist wichtig, die Ängste ernst zu nehmen und nicht kleinzureden. Ein gut gemeintes „Du brauchst doch keine Angst zu haben!“ wird ihrer Ehefrau nicht helfen. Besser ist ein Aufgreifen der Gefühle wie z.B. "Ich sehe, dass dir dieser Gedanke große Angst macht. Das verstehe ich. Ich bleibe bei dir und wir gehen das gemeinsam an." Auf diese Wiese fühlt sich Ihre Frau mit ihren Sorgen gesehen und verstanden.  Auch kann es hilfreich sein, das Wort „Umzug“ nicht zu oft zu verwenden, da es die Angst wieder befeuert. Ein „Dann können wir die Kinder und Enkel viel öfter sehen" kann hingegen die schöne Seite betonen und Freude auslösen.

Nach dem Umzug wird es wichtig sein, gemeinsam die neue Umgebung zu erkunden, um möglichst viel Orientierung in der fremden Umgebung zu vermitteln. Das Erkunden sollte in „kleinen Schritten“ erfolgen. Menschen mit Demenz können durch zu viele neue Eindrücke schnell überfordert werden. Kleine Spaziergänge, immer dieselben Wege und wiederkehrende Rituale vermitteln meist mehr Sicherheit als ein umfangreiches "Kennenlernen" der neuen Umgebung. Bei der Einrichtung der neuen Wohnung kann man darauf achten, vertraute „Ankerpunkte“ zu schaffen (z.B. Lieblingsplätze wie in der alten Wohnung, ähnliche Möbelanordnung etc).

Den Umzug selbst haben wir unserer Schwiegermutter erspart, da dieser Tag emotional und fordernd ist. Wir haben sie am Tag vorher zu uns geholt und es ihr schön gemacht. Erst zum Einrichten in der neuen Wohnung (nachdem alle Schränke etc aufgebaut waren) war sie wieder dabei, damit sie mitbestimmen konnte, was wo eingeräumt wird. Das ist wichtig, um die Orientierung zu bestärken.

Für Menschen mit Demenz ist meist nicht der Ort das eigentliche Zuhause, sondern der Mensch, der ihnen Sicherheit gibt. Solange Ihre Frau Sie als ihren wichtigsten Orientierungspunkt erlebt, können Sie ihr helfen, sich auch an einem neuen Ort wieder sicher zu fühlen. Sie sind in gewisser Weise ihr "Zuhause".

Der Umzug erfordert Mut und er wird noch viele emotionale Momente mit sich bringen. Vielleicht hilft Ihnen der Gedanke, dass Sie diesen Schritt nicht gegen Ihre Frau gehen, sondern für Sie beide. Sie tragen bereits jetzt eine große Verantwortung. Wenn künftig Ihre Tochter und weitere Familienmitglieder mittragen können, gewinnen nicht nur Sie Entlastung. Auch Ihre Frau profitiert davon, weil mehrere vertraute Menschen für sie da sein können und Sie dadurch Kraft behalten, ihr weiterhin ein liebevoller Begleiter zu sein.

Herzliche Grüße und alles Gute

Claudia Krack

Alzheimer Gesellschaft Rheinland-Pfalz e.V.


Antwort
Beiträge: 5
Themenstarter
(@andrea)
Beigetreten: Vor 2 Monaten

Was für eine tolle Antwort, herzlichen Dank! 

Ich hab ganz viel von dem wiedergefunden, was ich auch gesagt hab und fühle mich in meinem Denken bestätigt, dass es das richtige ist, jetzt noch umzuziehen. Meine Frau hat ebenfalls gesagt, dass es das wichtigste ist, dass ich da bin, auch wenn sie diese Situation als sehr bedrohlich empfindet. Soviel Angst, vor allem neuen, die gewohnte Umgebung zu verlassen, mit neuen Menschen, mit neuen Situationen. Wo sie sich doch eigentlich nur noch verkriechen möchte und nicht will, dass irgendjemand merkt, was mit ihr los ist.

Ich hoffe, dass mein Plan auf geht und sie vielleicht doch noch ein wenig mehr an ihrer Umgebung teilhaben mag, wenn liebe Menschen um sie herum sind.

Ganz herzlichen Dank und ich werde berichten, wie alles läuft. 

Einen guten Wochenstart für euch alle 😊 


Antwort
1 Antwort
Admin
(@admin)
Beigetreten: Vor 7 Jahren

Beiträge: 62

@andrea 

Es freut mich sehr, dass ich Ihnen etwas "Luft unter die Flügel" machen konnte 😊 Ich würde mich freuen, wenn Sie bei Gelegenheit berichten und andere Angehörige an Ihren Erfahrungen teilhaben lassen.

Eine gute Woche und viele Grüße!


Antwort
Beiträge: 5
Themenstarter
(@andrea)
Beigetreten: Vor 2 Monaten

Das werde ich auf jeden Fall machen!

Lieben Dank 


Antwort
Beiträge: 5
Themenstarter
(@andrea)
Beigetreten: Vor 2 Monaten

Hallihallo, ich hoffe, ihr hattet alle ein schönes Wochenende!

Bei uns wird die Situation immer unangenehmer. Meine Frau betont, dass sie niemals umziehen würde, dass sie das nur für mich tut, dass sie das nicht will. Ich bin komplett verunsichert. Sie will nichts mit Menschen zu tun haben, sie will keine sozialen Kontakte, sie will keine neue Umgebung. Sie will eigentlich nichts, ausser hier sitzen und purzeln.

Ist das die Krankheit, die sie so verängstigt oder überfordere ich sie komplett?

Ich hab ihr auch schon angeboten, den Umzug nich ein bisschen zu verschieben, das will sie aber auch nicht.

Jetzt bin ich am überlegen, ob ich ihr anbiete, noch hier zu bleiben und einzusehen, dass es alleine blöd ist. Sie ist nämlich sehr gerne alleine, da will wenigstens keiner was von ihr.

Ich bin ratlos und komplett überfordert.

Liebe Grüße Andrea 


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