Benachrichtigungen
Alles löschen

Sehr stur

4 Beiträge
2 Benutzer
0 Reactions
162 Ansichten
Beiträge: 2
Themenstarter
(@cremi)
Beigetreten: Vor 2 Monaten

Hallo! Meine Mutter ist jetzt 83 Jahre alt und im Frühstadium einer Demenz. Zur Zeit lebt sie in einer Wohnung  zirka 3 Kilometer entfernt von uns mit meinem Vater. Mein Vater pflegt sie, er wird jedoch auch zunehmend gebrechlicher und wir (mein Mann und ich) haben meiner Mutter und meinem Vater einmal den Vorschlag gemacht, wie es wäre, wenn sie weiter in die Nähe von uns ziehen würden, im gleichen Block zum Beispiel, das ließe sich ermöglichen und wir würden auch dafür sorgen, dass sie davon keine Umstände haben, wir würden alles machen, sie bräuchten quasi nur ins Auto steigen und sich in die neue Wohnung fahren lassen. Dann könnten wir öfter mal rübergucken und leichter helfen. Meine Mutter jedoch, sie war schon immer sehr stur, sagt, das würde sie nicht machen, sie habe von all den Umzügen die Nase voll, wobei der letzte 20 Jahre zurückliegt, und sie würde lieber in Ihrer Wohnung sterben als noch einmal umziehen. Mein Vater hat dazu nichts gesagt, doch an seinem Gesicht haben wir gesehen, dass ihm die Idee gut gefiel, wie gesagt, meine Mutter war schon immer sehr stur und hat letzten Endes fast immer ihren Kopf durchgesetzt. Gibt es Möglichkeiten, sie dazu zu bewegen, vielleicht doch einen Umzug zu erwägen?

Ja, sie hatte in ihrem Leben (vor 40 Jahren) schon mal eine Depression, die sehr schwer war, dagegen hat sie Tabletten genommen. Und diese, nachdem es besser wurde, abgesetzt. Aber nie eine Therapie gemacht. Sie hatte auch Phasen als Alkoholikerin, bis mein Vater ihr gesagt hat, dass er sich von ihr trennen würde. wenn sie nicht aufhört. Das hat sie dann gemacht. Um die gleiche Zeit fing das Sammeln von Teddys an , sodass sie in ihrer kleinen Wohnung circa von 500 Teddys umgeben sind.

Alleine sie dazu zu bewegen, zum Arzt zu gehen, ist schon sehr schwierig. Es wäre ja auch schon schön, wenn sie zumindest in die Tagespflege gehen würde. Aber da meint sie auch, dass es viel zu viel für sie sei, das schaffe sie nicht mehr. Und selbst zweimal die Woche Physiotherapie, wo sie nur hundert Meter weit zur Physiotherapiepraxis gehen muss, gedenkt sie jetzt abzubrechen. Mit der gleichen Argumentation, es sei zu viel, sie schaffe den Gang nicht mehr (dabei genießt sie es, wenn sie erstmal da ist, da sie sich gerne unterhält). Es nütze ja auch nichts, wenn sie dann umfiele. Meine Mutter hatte schon immer so Totschlagargumente, mit denen sie uns quasi vor vollendete Tatsachen gestellt hat und ihre Nerven und jetzt ihren Gesundheitszustand ins Feld geführt hat bzw. führt, wenn man diskutieren wollte. Wie kann man dies jetzt im Alter eventuell ein wenig aufweichen?  


3 Antworten
Beiträge: 58
Admin
(@admin)
Beigetreten: Vor 6 Jahren

Liebe Angehörige,

erst einmal herzlich willkommen im Forum!

Eine Demenz ist eine fordernde Erkrankung, die viele Veränderungen mit sich bringt und im Verlauf die Angehörigen sehr belasten kann. Deshalb ist es grundsätzlich eine sehr gute Idee, wenn sie in der Familie durch den Umzug näher zusammenrücken würden, um hierdurch Ihre Eltern in der Zukunft bestmöglich unterstützen zu können. Das Ihre Mutter mit beginnender Demenz und eventuell depressiven Episoden (beides kann auch Zusammenhängen) keine Veränderungen möchte, könnte durch Antriebsmangel und Angst vor Veränderungen erklärt werden, die sowohl mit Demenz als auch mit Depression einhergehen. Um diesen „Teufelskreis“ zu durchbrechen, wäre es gut, wenn man in kleinen Schritten vorgeht. Es gibt verschiedene Ideen:

  • Hilfe von außen ins Haus holen – oftmals wird auf den Rat von Außenstehenden mehr gehört als auf die Tochter: falls Ihre Mutter bereits einen Pflegegrad hat, könnten Sie sich bei einem Pflegestützpunkt oder eine andere Anlaufstelle für eine Pflegeberatung (Adressen erfahren Sie über die Pflegekasse Ihrer Mutter) beraten lassen. Ohne Pflegegrad wäre in Rheinland-Pfalz die Gemeindeschwester Plus zuständig, in anderen Bundesländern gibt es ähnliche Initiativen. Die Angebote sind kostenfrei. Regionale Alzheimer Gesellschaften bieten ebenfalls Sprechstunden an.
  • Mit dem Hausarzt/Neurologen Ihrer Mutter die schwierige Situation daheim besprechen, der Hausarzt könnte dann entsprechen auf Ihre Mutter einwirken. Eventuell ist auch eine medikamentöse Behandlung nötig, damit Ihre Mutter wieder mehr Antrieb und Lebensmut findet.
  • Mit Ihrem Vater zusammen einen Pflegekurs belegen: Wissen aufbauen hilft sehr, einen offenen Umgang mit der Erkrankung zu finden und neue Impulse zu erhalten. Viele regionale Alzheimer Gesellschaften bieten z.B. kostenfreie „Hilfe beim Helfen“ Kurse für versorgende Angehörige an. Wir – die Alzheimer Gesellschaft Rheinland-Pfalz e.V. – bieten auch einen online-Kurs an, dieser startet im Februar 2026. Hier finden Sie unsere kostenfreien Schulungskurse:

https://www.alzheimer-gesellschaft-rhpf.de/schulungen/

Wenn Sie ihre Mutter/Eltern geduldig und liebevoll begleiten, nicht drängen, sondern darauf achten, dass sie sich weiterhin als autark erleben, stehen die Chancen gut, dass auch ihre Mutter irgendwann Hilfe annehmen kann. Aber erfahrungsgemäß ist dies ein längerer Weg. Viele Angehörige berichten in ähnlichen Situationen, dass zunächst alle Hilfe abgelehnt wird.

Herzliche Grüße 

Claudia Krack, Alzheimer Gesellschaft Rheinland-Pfalz e.V.


Antwort
2 Antworten
(@cremi)
Beigetreten: Vor 2 Monaten

Beiträge: 2

@admin 

Vielen Dank für Ihre schnelle und aufbauende Antwort, ja, das ist eine gute Idee, ich glaube auch, dass meine Mutter eher auf Menschen außerhalb der Familie hört. 

Ich wünsche Ihnen und allen anderen Angehörigen und Betroffenen, die hier im Forum unterwegs sind, dass Sie alle gut und friedlich ins neue Jahr kommen. 


Antwort
Admin
(@admin)
Beigetreten: Vor 6 Jahren

Beiträge: 58

@cremi

Ich wünsche Ihnen und Ihrer Familie ebenfalls ein gesundes und glückliches neues Jahr und bleiben Sie sehr gerne mit uns in Kontakt❣️


Antwort
Teilen: